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Reisefinanzierung

Was kostet ein Jahr durch Europa?

Die letzten 12 Monate haben wir 20.000 km zurückgelegt, neun Länder bereist und uns jeden Wunsch erfüllt, den wir hatten. In diesem Beitrag soll es darum gehen, was uns diese Freiheit wert war und wie viel sie uns tatsächlich gekostet hat.

Erwartungen an unsere Reisekosten

Vor der Reise haben wir unsere Ausgaben grob kalkuliert. Auch wenn wir noch nicht absehen konnten, wie wir langfristig unseren Reisealltag gestalten würden, konnten wir die größten Kostenpunkte bereits einschätzen. Wir kannten unsere monatlichen Ausgaben für Lebensmittel und gingen davon aus, dass sich diese unterwegs nicht großartig verändern würden. Wir kannten den Spritverbrauch unseres Campers und konnten somit die Tankkosten abschätzen. Und wir hatten unsere Auslandskrankenversicherung bereits für ein ganzes Jahr im Voraus bezahlt.

Innerhalb der ersten Wochen nach Reisebeginn haben wir entschieden, eine unserer Kreditkarten als gemeinsames Konto zu nutzen. Seitdem zahlen wir dort monatlich 500 € pro Person ein und nutzen sie für alle Einkäufe und Bargeldabhebungen. Alles, was am Ende des Monats übrig bleibt, verschieben wir auf ein Unterkonto. Und wenn wir mal mehr Geld brauchen, holen wir uns das von diesem Unterkonto zurück. Für uns funktioniert das so sehr gut. Wir haben einen guten Überblick über unsere Ausgaben und auf unseren eigenen Konten sind wir uns auf die fixen monatlichen Ausgaben von 500 € eingestellt.

Unsere Route

Um unseren Ausgabenbericht vergleichbar zu machen, beschreiben wir kurz unsere Route. Wir sind Ende März 2019 von Deutschland nach Portugal gefahren. Dort haben wir 7 Wochen verbracht und sind dann an der Atlantikküste entlang durch Spanien und Frankreich gefahren. Mitte Juli haben wir in Dänemark die Fähre nach Norwegen genommen und sind über die Sommermonate in (Süd-) Skandinavien gewesen. Nach einem Zwischenstopp in Deutschland sind wir im Oktober wieder nach Portugal aufgebrochen, wo wir dann den gesamten Winter größtenteils an der Algarve verbrachten.

Unsere Route führte uns immer an der Küste entlang.

Auf dieser Route sind wir insgesamt 20.000 km gefahren. Unsere Lebenshaltungskosten haben sich in den Ländern, die wir bereist haben, nur unwesentlich unterschieden. Norwegen war teurer, da wir aber nur zwei Wochen dort verbrachten, fiel das nicht wirklich ins Gewicht.

Wofür wir Geld ausgeben

Jeder setzt andere Prioritäten, wofür er sein Geld ausgeben möchte. Wir achten im Alltag allgemein auf unsere Ausgaben, möchten uns aber nicht einschränken. Für Dinge, die es uns wert sind, geben wir gerne mehr Geld aus. Deshalb haben wir in der Kategorie „Essen“ relativ hohe Ausgaben, dafür deutlich weniger im Bereich „Shopping“.

Wir haben über unsere Ausgaben kein Buch geführt, aber durch einen Kontoauszug von unserer Kreditkarte konnten wir die Ausgaben im Nachhinein gut nachvollziehen. Was wir in diesem Beitrag nicht einberechnet haben, sind unsere separaten Ausgaben, die nicht direkt mit der Reise zusammenhängen. Darunter fallen Geschenke, Steuernachzahlungen und Altersvorsorgebeiträge.

Essen und sonstige Barausgaben

Wir haben die Punkte „Essen“ und „sonstige Barausgaben“ zusammengefasst. Denn den größten Teil unseres Bargelds geben wir für Essen aus. Sei es auf Märkten, in kleinen Geschäften oder in Restaurants. Der Rest, den wir bar bezahlen müssen, fällt dagegen nur sehr wenig ins Gewicht.

Nahrungsmittel sind unser größter Kostenpunkt. Hier achten wir nicht auf den Preis, sondern auf die Qualität. Ein- bis zweimal pro Woche gehen wir auf den Wochenmarkt, alles andere besorgen wir im Supermarkt, wenn möglich in einem Biomarkt. Restaurantbesuche sind bei uns eher eine Seltenheit. Es macht uns einfach Spaß, in unserem Camper zu kochen, außerdem wissen wir so genau, was in unserem Essen drin ist.

Supermärkte

In Supermärkten geben wir monatlich durchschnittlich 270 € aus. Wir achten darauf, dass wir die Lebensmittel wenn möglich in Bio-Qualität bekommen. Grundnahrungsmittel sind auch in bio ziemlich günstig, wir gönnen uns aber auch gerne mal guten Wein, Kaffee oder Nüsse, die dann preislich schon mal reinhauen.

Barausgaben auf Märkten, in Restaurants und für die Versorgung

Jeden Monat geben wir ungefähr 140 € bar aus. Der größte Anteil davon fließt in Einkäufe auf Bauernmärkten. Dort kaufen wir alles an Obst und Gemüse. Oft bekommen wir dort auch Nüsse und Trockenfrüchte.

Buntes Obst und Gemüse, teilweise in Stoffbeuteln gelagert
Frisches Obst und Gemüse direkt vom Markt ist der günstigste Teil unseres Wocheneinkaufs

Wie bereits erwähnt gehen wir nur selten auswärts essen, deshalb geben wir dafür durchschnittlich nur 25 € pro Monat aus. Auch für Eintritte sind unsere Ausgaben kaum erwähnenswert.

Wasser auffüllen kostet manchmal 2 – 3 €, manchmal ist es auch kostenlos. Wir schätzen, dass wir pro Monat vielleicht ca. 10 € dafür bezahlen.

Unsere Wäsche waschen wir in Waschsalons oder öffentlichen Waschmaschinen. Eine Waschladung kostet um die 5 €. Da wir meistens leider nicht die Möglichkeit haben, unsere Wäsche an der frischen Luft zu trocknen, müssen wir auch den Trockner benutzen, was zusätzliche 2 € kostet. Im Monat sind das dann ungefähr 15 €.

In Frankreich, Spanien und Portugal gibt es überall öffentliche Waschmaschinen

Camper

Wir fahren ein 29 Jahre altes Wohnmobil. Auch wenn wir uns nur hobby-mäßig mit Autos beschäftigen, war uns bereits beim Kauf klar, dass wir mit entsprechenden Reparaturkosten rechnen müssen. Und da es noch kein Oldtimer ist, fällt auch die KFZ-Steuer relativ hoch aus.

Steuer und Versicherung

Jährlich bezahlen wir 460 € KFZ-Steuer und 692 € für die Vollkasko-Versicherung und den Schutzbrief. Das ist ein ganz schöner Batzen Geld, aber gleichzeitig beträgt beides zusammen ungefähr so viel, wie wir für unsere Wohnung monatlich an Miete bezahlen mussten. In dieser Relation gesehen sind die gut 1000 € schwer in Ordnung.

Reparaturkosten

Vor der Abfahrt hatten wir unseren Camper in einer Werkstatt gründlich durchchecken und den Zahnriemen austauschen lassen. Danach sind wir mit einem guten Gefühl gestartet und konnten noch nicht ahnen, dass wir bereits sechs Tage später wegen einer kaputten Kupplung liegen bleiben würden. Die Reparatur hat sich die spanische Werkstatt gut bezahlen lassen.

Seit der spanischen Werkstatt hatten wir immer wieder Kühlmittel verloren. Fabi hat die undichte Stelle immer wieder repariert, trotzdem mussten wir regelmäßig Kühlmittel nachfüllen. Erst in Deutschland stellte unsere Werkstatt fest, dass es ein zusätzliches Leck an einer anderen Stelle gab, das verursachte, dass unsere Kupplung erneut kaputt ging und ausgetauscht werden musste.

Selber machen ist am günstigsten, wir waren aber auch schon oft genug in der Werkstatt

Neben den Reparaturen haben wir uns im Herbst einen Satz neue Reifen gegönnt. Die Sommerreifen waren durch und vor allem für den Winter nicht mehr sicher.

Vor ein paar Wochen holte uns das bekannte Problem des undichten Kühlsystems ein. Dieses mal betraf es wieder eine andere Stelle, die in der Werkstatt mit einem neuen Ölkühler behoben werden konnte.

Insgesamt haben wir in einem Jahr knapp 4000 € an Reparatur- und Instandhaltungskosten bezahlen müssen.

Verbesserungen am und im Camper

Da das Auto für uns nicht nur Fortbewegungsmittel sondern auch Zuhause ist, haben wir auch ein paar Schönheitsreparaturen durchgeführt. Die meisten davon waren kostenlos, aber wir haben uns zum Beispiel einen Eimer Farbe und ein paar Bretter gekauft. Außerdem haben wir uns eine neue Matratze für 450 € und einen Lattenrost gegönnt.

Wohnmobil von innen
Ein bisschen Farbe hier, ein paar Fliesen dort…

Transport

Unser Transportmittel ist unser Camper und somit bleibt für den Transport am meisten Geld an Tankstellen liegen. Monatlich sind es durchschnittlich knapp 150 €.

Für die Fährfahrten nach Skandinavien und zurück haben wir zusammen 275 € bezahlt. Den öffentlichen Nahverkehr haben wir nur ein einziges Mal in Lissabon genutzt. Ansonsten bewegen wir uns in Städten entweder mit dem Camper, dem Fahrrad oder zu Fuß. Allgemein machen wir aber eher einen großen Bogen um Städte.

Krankenversicherung

Die Auslandskrankenversicherung ist ein einmaliger Kostenpunkt, den wir bereits vor unserer Reise bezahlt haben. Da wir vorhatten, auf der Durchreise auch ein paar Wochen in Deutschland zu verbringen, haben wir darauf geachtet, dass das mit versichert ist. Pro Person hat die Versicherung für ein Jahr 460 € gekostet. Wir waren zwei Mal beim Arzt und haben die Kosten anstandslos erstattet bekommen.

Mobiles Internet in Europa

Da wir bis Anfang des Jahres gearbeitet haben, waren wir auf Internet angewiesen. Wir haben deshalb vor der Abfahrt einen Mobilfunkvertrag mit 10 GB pro Monat abgeschlossen, der für den Übergang gedacht war. Also für die Zeit, in der wir uns auf der Durchreise durch Länder befanden und es sich nicht gelohnt hätte, dort eine SIM-Karte zu kaufen. Wenn wir uns länger in einem Land aufhielten, haben wir dort eine SIM-Karte gekauft. In Portugal bekommt man für 30 € pro Monat unlimitiertes mobiles Internet. In Frankreich wollten wir die 50 GB für 30 € maximal ausnutzen. Leider haben unsere Französisch-Kenntnisse nicht für das Kleingedruckte gereicht, sodass wir am Ende 50 € nachzahlen mussten. In Schweden haben wir für einen Monat 23 € bezahlt. Durchschnittlich haben wir für mobiles Internet 35 € monatlich bezahlt.

Zusätzlich haben wir beide unsere deutschen Nummern zum Telefonieren und einem kleinen Internet-Paket behalten. Das kostet uns zusammen 15 € pro Monat.

Shopping

Wir brauchen nichts Neues und haben auch keinen Platz dafür. Aber ab und zu schlendern wir gerne durch Geschäfte. Besonders angetan haben es uns die Second Hand Läden in Schweden. Dort haben wir dann auch ein paar Kleinigkeiten für die Küche und neue Kleidung gekauft. In Deutschland haben wir uns mit einem großen Bücherpaket für die Wintermonate versorgt. Damit kommen wir auf ungefähr 20 € im Monat.

Campingplatz

In den letzten 12 Monaten standen wir 7 Mal auf einem Campingplatz:

  • Drei Nächte in der Nähe von Lissabon, um in Ruhe die Stadt erkunden zu können
  • Eine Nacht in Amsterdam, um mit dem Fahrrad in die Stadt fahren zu können
  • Insgesamt drei Mal für je eine Nacht in Schweden, weil es dort außerhalb von Städten keine Möglichkeit gab, um Wäsche zu waschen
  • Zwei Nächte in Hamburg, als wir dort ein Seminar besuchten
  • Eine Nacht an der Algarve, weil es auf dem Campingplatz jemanden gab, der unser Dachfenster neu einsetzte

Pro Nacht haben wir durchschnittlich 16 € bezahlt. Mit 26,50 € pro Nacht war der Campingplatz in Amsterdam am teuersten. Am günstigsten war der Platz bei Lissabon, der pro Nacht tatsächlich nur 8 € gekostet hat.

Gas

Wir hatten mit viel höheren Kosten für’s Gas gerechnet. In unserem Artikel über unseren Gasverbrauch haben wir ja schon erzählt, wie viele Gasflaschen wir benötigten. Die Füllungen sind in Deutschland deutlich günstiger als in Portugal. Hier kosten 11 kg Butan-Gas 26 €, in Deutschland kostet die gleiche Menge des (besseren) Propangas nur 15 – 20 €.

Insgesamt haben wir in einem Jahr 7 Gasflaschen verbraucht und insgesamt 140 € dafür bezahlt.

Ein offenes Gasfach eines Campers, in dem zwei Gasflaschen stehen

Ausgaben im Überblick

Kategorie AusgabenØ im Monat
Essen und Barausgaben4.900 €408 €
Auto5.680 €473 €
Transport2.075 €173 €
Krankenversicherung920 €77 €
Internet600 €50 €
Shopping236 €20 €
Campingplatz166 €14 €
Gas140 €12 €
Gesamt14.717 €1.227 €

Ein Jahr durch Europa hat uns somit rund 14.700 € gekostet. Pro Person sind das 600 € im Monat. Da die größten Beträge nur jährlich bezahlt werden, kommen uns die Ausgaben tatsächlich viel geringer vor. Von den 500 € konnten wir jeden Monat etwas zurücklegen, dafür haben wir aber bei Extra-Ausgaben wie den Reparaturen zusätzliches Geld in unsere Reisekasse geschoben.

Vergleich zu unseren Ausgaben vor der Reise

Für uns selbst war es super interessant, diese Aufstellung zu machen und uns unsere Ausgaben im Detail anzuschauen. Rückblickend gab es keine großen Überraschungen. Mit Reparaturkosten hatten wir zum Glück schon gerechnet, und so waren die Pannen zwar ärgerlich, aber die Kosten dafür eingeplant.

Im Vergleich zu der Zeit vor unserer Reise haben sich unsere Ausgaben ungefähr halbiert. Die Kosten für Lebensmittel und „sonstige Barausgaben“ sind wie erwartet gleich geblieben. Der große Kostenpunkt „Miete“ ist weggefallen und in keinster Weise mit den jetzigen Kosten für „Wohnen“ zu vergleichen, auch wenn wir die Kosten für Übernachtung, Wasser, Gas und Wäschewaschen zusammenrechnen. Da wir jetzt statt zwei Autos nur noch ein Auto haben und deutlich weniger Kilometer gefahren sind, sind die Kosten dafür trotz der deutlich höheren Reparaturausgaben eher niedriger als davor.

Erwartungen für das kommende Jahr

Wir gehen ganz optimistisch davon aus, dass wir das nächste Reisejahr mit weniger Pannen und entsprechenden Reparaturkosten überstehen werden. Allerdings wird dieses Jahr der TÜV fällig und wir möchten ein paar Kleinigkeiten am Camper nachrüsten.

Die Auslandskrankenversicherung ist ab dem zweiten Jahr etwas teurer, trotzdem haben wir sie direkt für vier weitere Jahre verlängert.

Das mobile Internet werden wir in den nächsten Monaten auch etwas entspannter sehen, da wir nicht arbeiten werden. Wir werden kein Backup haben, sondern uns nur noch in den jeweiligen Ländern eine SIM-Karte kaufen.

In diesem Jahr möchten wir außerdem deutlich weniger fahren. Da wir selten mehr als 60 km/h fahren, bedeuten 20.000 km ziemlich viel Zeit, die wir auf Straßen verbracht haben. Als Strecke haben wir uns bisher nur Portugal – Deutschland – Griechenland vorgenommen, das wären also weniger als halb so viele Kilometer und entsprechend auch weniger Ausgaben für Diesel. Und je nachdem, wie sich die aktuelle Situation entwickeln wird, müssen wir vielleicht auch hier in Portugal bleiben, was der Reisekasse natürlich gut tun würde!

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