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Stromversorgung im Camper – wie wir mit Solarstrom überleben

Ein wichtiges Thema bei jedem Camper-Ausbau, vor allem wenn man, so wie wir, überwiegend freistehen will, ist die Stromversorgung. Wir haben unsere Ausstattung mit der Vorstellung geplant, von unterwegs aus online zu arbeiten, darum würden wir natürlich Strom für unsere Laptops und den Router benötigen. In diesem Artikel erfährst du, wie wir unterwegs an Strom kommen und wie sich das für uns, nach inzwischen einem Jahr, bewährt hat.

Warum und wofür wir Strom brauchen

In unserer Wohnung war alles noch ganz anders: Wir haben im Jahr so etwa 1.500 KWh für einen Zwei-Personen-Haushalt verbraucht. Dabei waren wir nicht bewusst besonders sparsam. Strom kommt aus der Dose und ist recht günstig. Dank Öko-Strom kann man ihn sogar mit einem guten Gewissen nutzen. Aber was macht man in einem Wohnmobil, wo weit und breit keine Steckdose zu finden ist?

Wir haben als erstes mal eine Bestandsaufnahme gemacht. Welche Geräte werden wir überhaupt mitnehmen? Wie oft verwenden wir sie? Und wie viel Strom braucht eigentlich ein Laptop, Handy oder Rührstab?

So viele Geräte sind dann gar nicht zusammen gekommen:

  • Zwei Notebooks (à 20-30 Watt)
  • Zwei Smartphones (à 10 Watt beim Laden)
  • Ein mobiler Router (5 Watt)
  • Ein Bluetooth Lautsprecher (10 Watt beim Laden, und der hält ewig!)
  • Lüfter vom Trockentrennklo (3 Watt)
  • Beleuchtung (5-20 Watt)
  • Gas-Warner (1-2 Watt)
  • Raspberry Pi (2-3 Watt)
  • Stromfresser, die man selten braucht, wie die Stichsäge oder der Pürierstab (200-400 Watt)
  • Kühlschrank (150 Watt)
Mit Notebooks im Camper - dafür brauchen wir Strom.
Mit Notebooks im Camper – dafür brauchen wir Strom.

Wie man im Camper an Strom kommt

Wir hatten noch nie einen Camper und wussten daher gar nicht, was es für Möglichkeiten gibt, an Strom zu kommen. Wenn man es wirklich drauf anlegt, dann ist alles möglich. Windkrafträder, kleine Gaskraftwerke, Benzin- oder Dieselgeneratoren, der Fantasie sind wenige Grenzen gesetzt.

Üblicherweise kommt man auf eine oder mehrere der folgenden drei Wege im Camper an Strom:

  • Trennrelais oder Ladebooster: Die Batterie wird während der Fahrt durch die Lichtmaschine geladen.
  • Landstrom: Man steckt ein Kabel mit einem speziellen Stecker ins Wohnmobil ein und lädt damit die Batterie und versorgt gleichzeitig die Bordgeräte mit Strom.
  • Solarstrom: Man fängt die Sonnenenergie auf und wandelt mit einem Laderegler die Spannung, um damit seine Geräte zu betreiben und die Verbraucherbatterie zu laden.

Unser Wohnmobil verfügte bereits ab Werk über einen Landstromanschluss mit Ladegerät und ein Trennrelais. Da wir allerdings nicht planten, regelmäßig Campingplätze anzufahren, haben wir uns für den Landstrom noch nicht einmal ein passendes Kabel zugelegt. Das Trennrelais nutzen wir während der Fahrt automatisch, was super praktisch ist. Da wir aber auch gerne mal ein paar Tage stehen bleiben wollten, musste eine zusätzliche Lösung her.

Solar! Fest jeder Camper hat es auf dem Dach. Die Sonne nutzen, um Handy und Laptop zu laden klingt total logisch und einfach. Zudem wollten wir ja ohnehin „immer der Sonne nach“, da kann uns die Sonne auch ruhig etwas Strom fürs Handy beisteuern. Auch für den Betrieb des Kühlschrankes macht Solar total Sinn, denn wenn es draußen warm und sonnig ist, hat man auch genügend Solarenergie, um die Lebensmittel zu kühlen.

Wie funktioniert eine Solaranlage?

Nach einiger Recherche stellte sich heraus: Das ist keine Raketenwissenschaft! Wir waren sofort Feuer und Flamme. Man braucht eigentlich nur ein paar Komponenten:

  • Solarpanele
  • Halterung für die Panele auf dem Dach
  • Eine Dachdurchführung für die Kabel
  • Laderegler
  • Batterie
  • Ein paar Kabel, Anschlüsse, Schrumpfschläuche und anderen Krimskrams.

Und so soll’s funktionieren: Die Solarpanele fangen die Sonnenenergie auf. Man kann beliebig viele zusammenstecken und die Kabel der Panele anschließend in den Laderegler führen. Dort angeschlossen ist auch die Verbraucherbatterie, die geladen werden soll. Der Laderegler wandelt die schwankende Spannung der Solarpanele auf eine gleichmäßige Ladespannung um und lädt so die Batterie. Easy, oder?

Wie viel Strom brauchen wir?

Aber: Wie viel Solar braucht man, wie groß soll die Batterie sein, welchen Laderegler nimmt man? Da wir noch nie zuvor etwas mit Solarstrom zu tun hatten, begaben wir uns auf völlig neues Territorium. Nach dem Studium diverser YouTube Videos, Blogartikeln schätzten wir unseren Strombedarf: etwa 0,5 KWh pro Tag. Darin enthalten sind vor allem Licht, Laptops, Smartphones und ein bisschen Puffer. Da sich herausgestellt hat, dass unser alter Kühlschrank alleine schon 150 Watt verbraucht (was über den Tag sicherlich eine ganze KWh oder mehr würde), haben wir den erstmal ausgeklammert.

Verwendete Komponenten für unsere Solaranlage

Anhand dieser Zahl entschieden wir, zwei Solarpanels à 120 Watt auf dem Dach zu befestigen, einen MPPT Laderegler (die sind etwas teurer, holen aber das meiste raus) zu verwenden und den Strom in einer 100-Ah-Lithium-Batterie zu speichern. 100 Ah bedeutet etwa 1,2 KWh „im Tank“. Das bedeutet, dass wir etwa zwei Tage ohne Einschränkung bei völliger Dunkelheit überstehen können, ohne uns einzuschränken. In der Realität würden wir aber eher sparsam mit Strom umgehen, wenn es knapp wird, und wir hofften, dass wir auch 4 Tage überleben würden. Zum Glück haben wir auch noch das Trennrelais. In einem echten Notfall würde uns also der Motor Strom liefern.

Die Teile gibt es alle einzeln oder als Set auf den üblichen Shops wie eBay oder Amazon. Wir haben unser Dach vermessen und dann die entsprechenden Panels und Dachhalterungen bestellt. Mit Sikaflex konnten wir das Ganze aufs Dach kleben, eine aufregende Erfahrung, wenn man’s das erste Mal macht. Als Dachdurchführung konnten wir ein Loch nutzen, in dem vorher eine Satellitenschüssel montiert war und die wir abgenommen haben, so konnten wir uns den Nervenkitzel sparen, ein Loch in unser Wohnmobil zu bohren.

Montage des ersten Solarpanels auf dem Dach unseres Wohnmobils
Montage des ersten Solarpanels auf dem Dach unseres Wohnmobils

Kosten unserer Solaranlage

Die gesamte Solaranlage hat uns etwa 1.500 € gekostet. Wir haben vom Vorbesitzer des Wohnmobils ein Solarpanel geschenkt bekommen und mussten darum nur ein weiteres kaufen. Der mit Abstand teuerste Kostenpunkt war die 100-Ah-Lithium-Batterie mit knapp 900 €. Dafür soll eine Lithium-Batterie wohl auch ein Camperleben lang halten, somit fallen hier später keine Kosten mehr an und wir müssen auch nicht regelmäßig die Batterie wechseln.

Erfahrung mit unserer Solaranlage nach einem Jahr

Inzwischen sind wir – Stand März 2020 – ein Jahr mit dieser Solaranlage unterwegs und das Beste ist: Wir leben noch! Wir haben laut unserem Laderegler inzwischen etwa 200 KWh Solarstrom gesammelt und verbraucht, kommen also tatsächlich auf etwa 0,5 KWh Verbrauch am Tag. Die Solaranlage funktioniert genau so, wie wir es uns vorgestellt haben. Tagsüber lädt sich alles auf und in der Nacht zehren wir von der großen Batterie, bis am Morgen wieder alles von vorn beginnt. Im Frühling, Sommer und Herbst haben wir mehr Strom zur Verfügung, als wir verbrauchen können, und im Winter haben wir genügend Strom, um uns nicht einschränken zu müssen.

Unser Wohnmobil aus dem Fenster fotografiert, sodass man die Solaranlage auf dem Dach sehen kann.
So sah der Schüttelbert dann kurz vor Reiseantritt aus, mit seiner Solaranlage auf dem Dach.

Wir haben einen Laderegler und eine Lithium-Batterie, die beide über Bluetooth mit einer passenden App ausgelesen werden können. Das hilft uns total, einen Überblick über Stromproduktion/Verbrauch und Ladestand der Batterie zu behalten und dadurch passen wir unsere Nutzung fast automatisch an die Bedingungen an, um länger autark stehen zu können.

Die Grenzen unserer Solaranlage

Es gab allerdings eine Ausnahme: Kurz vor Weihnachten, der Zeit im Jahr mit den wenigsten Sonnenstunden, als es selbst in Portugal zwei Wochen ununterbrochen geregnet hat und dunkel war, kamen wir an die Grenze, bzw. das Ende der Leistungsfähigkeit unseres Solarsystems. Wir saßen einen Tag tatsächlich im Dunkeln. Die Batterie war leer, die Solarpanele lieferten Null-Komma-Null Watt. So kann es gehen! Optimieren könnten wir hier, indem wir einen Ladebooster nachrüsten, um auch auf kurzen Strecken genug Strom in die Batterie zu pumpen.

Wir haben an diesem Tag aber das Beste draus gemacht und es uns drin gemütlich gemacht, Tee kochen und Kerzenlicht gibt es ja zum Glück auch ohne Strom.

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