Ein Second hand Geschäft in Lissabon

Second Hand Jagd durch Lissabon

Reisen ist eine fantastische Gelegenheit, um neue Second Hand Geschäfte zu erkunden. Unseren Besuch in Lissabon wollten wir nutzen, um in ein paar Second Hand Geschäften zu stöbern. Second Hand ist in Portugal zwar verbreitet, aber gerade wenn man sich nicht so auskennt, sind diese Geschäfte nur schwer zu finden. Wir haben in der Algarve bereits ein paar kleine Second Hand Geschäfte besucht, waren mit dem Angebot aber nicht ganz zufrieden. Der Trend für Gebrauchtwaren scheint hier noch nicht ganz angekommen zu sein und so fanden wir in den vollgestopften Läden mit dem muffigen Geruch hauptsächlich verstaubte Bücher und sehr abgetragene Kleidung vor.

Meine Hoffnung war, dass wir in Lissabon auf ein paar „sortiertere“ Second Hand Shops stoßen würden. Ich habe also vor unserem Besuch schon etwas recherchiert und eine kleine Second-Hand-Route durch Lissabon erstellt. Es war dann aber doch anstrengender als gedacht und wir haben nicht alle Geschäfte abgeklappert, die ich rausgesucht hatte. Es folgen eine kleine Liste der Second Hand Läden, die wir in Lissabon besucht haben, und ein paar allgemeine Tipps zum Second Hand Shopping. Alle Adressen und Öffnungszeiten findest du auf unserer Karte.

Second Hand Geschäfte in Lissabon

Die Second Hand Shops in Lissabon unterscheiden sich sehr von denen, die wir davor bereits in Portugal besucht hatten. Alle waren sehr weitläufig, hatten einen angenehmen Vintage-Charme und das Beste: In fast allen Geschäften war die Kleidung nach Farbe sortiert!

HUMANA

Die Altkleidercontainer von HUMANA haben wir schon in ganz Portugal gesehen. Da wir auch unterwegs regelmäßig Kleidung aussortieren, haben wir diese auch schon benutzt und davor natürlich recherchiert, an wen wir unsere Kleidung denn spenden. Laut ihrer Webseite setzt die Organisation Entwicklungshilfe- und Kooperationsprojekten im Bereich Bildung, Kultur und Pflege um.

Falls auch du unterwegs Kleidung aussortierst: HUMANA hat auf ihrer Webseite eine Karte bereitgestellt, auf der alle aufgestellten Kleidercontainer eingezeichnet sind.

Während HUMANA ihre Kleidercontainer in ganz Portugal verteilt hat, gibt es ihre Verkaufsstellen nur in Lissabon und Porto. In diesen beiden Städten hat HUMANA dafür aber gleich mehrere Verkaufsstellen. Wir haben in Lissabon nur zwei davon besucht und einen guten Eindruck davon gehabt. Das Angebot ist relativ übersichtlich, wir fühlten uns mit der Menge an Kleidung also nicht komplett überfordert. Dafür, dass es sich um in Containern gespendete Kleidung handelt, ist die Auswahl sehr gut vorsortiert. Alles war sauber und in einem sehr guten Zustand.

Uns fiel allerdings auf, dass es sehr viel Kleidung von Fast Fashion Marken gab. Das ist für uns komplett uninteressant, da es uns nicht nur hinsichtlich der Qualität und Materialzusammensetzung (siehe unten) nicht überzeugt.

Die Adresse und Öffnungszeiten des Shops findest du in unserer Karte weiter unten in diesem Beitrag.

Humana Vintage

Was für eine tolle Überraschung es war, als wir neben einem der HUMANA Läden „HUMANA Vintage“ entdeckten. Hier gab es Kleidung, die zumindest sehr stark danach aussah, als sei sie orginal aus alten Zeiten. Die Einrichtung des Geschäfts und auch der Kleidungsstil der VerkäuferInnen machten das Bild komplett. Wir fühlten uns zurückgesetzt ins letzte Jahrhundert und fanden eine bunte Mischung aus allen Jahrzehnten. Dabei ist uns aufgefallen, dass die PortugiesInnen einen deutlich bunteren Geschmack haben als wie wir es aus Deutschland gewohnt sind. Irgendwie sind hier alle Farben ein bisschen kräftiger und die Muster ein bisschen wilder.

Second Hand Lissabon: Ein Retro-Radio steht auf einer alten Kommode. Daneben befinden sich eine alte Handtasche aus Lackleder und Vintage Damenschuhe.
Die Dekoration machte den Charme vom HUMANA Vintage komplett

Die Adresse und Öffnungszeiten des Shops findest du in unserer Karte weiter unten in diesem Beitrag.

A Outra Face da Lua

Was für ein imposanter Laden. Bereits der erste Blick durch die Schaufenster von A Outra Face da Lua ist vielversprechend. Innen schmücken Kronleuchter die hohen Decken, es hängen alte Gemälde an den Wänden und neben Kleidung gibt es hier auch viele Accessoires wie Taschen, Brillen und Tücher, die hübsch ausgestellt wurden. Während ich die Kleiderstangen entlang geschlendert bin, hat Fabi es sich auf dem ausladenden Barock-Sofa bequem gemacht. Schlichte Basics konnten wir hier nicht finden, dafür eine Menge an ausgefallenen Teilen.

Die Adresse und Öffnungszeiten des Shops findest du in unserer Karte weiter unten in diesem Beitrag.

Electric Tiger

Um die Ecke von A Outra Face da Lua fanden wir den super kleinen Laden Electric Tiger. Außer uns waren noch zwei andere Kundinnen in dem Geschäft und wir standen und ständig im Weg, so klein ist der Laden. Alle Kleiderstangen hängen an Seilen von den Decken, was das Stöbern etwas abenteuerlich macht. Wir hatten das Gefühl, dass es hier nur sehr sorgsam ausgewählte Einzelteile gab. Ich mag es aber, wenn ich innerhalb von 5 Minuten das gesamte Angebot checken kann, vor allem, wenn wir davor schon in fünf anderen Geschäften waren.

Die Adresse und Öffnungszeiten des Shops findest du in unserer Karte weiter unten in diesem Beitrag.

Retro City Lisboa

Die Retro City Lisboa befindet sich etwas außerhalb, da es direkt um die Ecke eine HUMANA Filiale gibt, haben wir den Weg auf uns genommen. Retro ist hier wirklich Programm. Der Verkäufer scheint aus einem Film der 80er Jahre entsprungen zu sein und passt einfach perfekt ins Gesamtbild des Second Hand Geschäfts. Hier ist man auf jeden Fall richtig, wenn man nach Leder- oder Armyjacken aus den 80ern sucht – die Auswahl ist riesig.

Second Hand Lissabon: Schaufenster mit zwei Schaufensterpuppen in Vintage Kleidung

Die Adresse und Öffnungszeiten des Shops findest du in unserer Karte weiter unten in diesem Beitrag.

Feira da Ladra

Der riesige Flohmarkt findet jeden Dienstag und Samstag im Stadtteil Alfama statt. Zwischen der unfassbaren Menge an Zeug gibt es auch einige Klamotten, die dort verkauft werden. Wie auf jedem Flohmarkt muss man auch hier deutlich mehr stöbern und wühlen als in einem Geschäft, aber das gehört ja schließlich zum Abenteuer dazu!

Second Hand Karte

Neben den aufgezählten Second Hand Geschäften gibt es noch viele weitere, die wir nicht besucht haben. Ich habe alle Shops, die wir besucht haben und die ich online recherchiert hatte, in unserer Karte markiert. Jeder Eintrag enthält weitere Informationen zum jeweiligen Ort.

Meine Tipps fürs Second Hand Shopping – nicht nur in Lissabon

In einer Gesellschaft, in der jeder Schrank zum Brechen voll ist und „Shoppen“ als beliebtes Hobby zählt, während gleichzeitig Rohstoffe der Erde knapp werden und Meere und Böden von Mikroplastik verunreinigt sind, ist es doch irgendwie unvermeidbar, den eigenen Konsum zu hinterfragen. Second Hand ist eine richtig tolle Gelegenheit, kurzzeitige Befriedigung durch neuen Besitz zu genießen, ohne dass dafür Ressourcen verschwendet werden müssen. Und gleichzeitig ist es ein Statement: Es ist nicht nötig, für mich etwas neues zu produzieren. Ich nehme gerne das, was sowieso schon im Überfluss da ist.

Seit ungefähr fünf Jahren kaufe ich meine Kleidung fast ausschließlich Second Hand. In dieser Zeit habe ich auf Flohmärkten, auf Kleiderkreisel und in Second Hand Shops einige Erfahrungen gesammelt, die ich mit dir teilen möchte.

Was brauche ich wirklich?

Wenn etwas Second Hand und günstig ist, bin ich ganz gerne mal verleitet, mir etwas zu kaufen, das ich gar nicht unbedingt brauche. Ich versuche aber, mich rechtzeitig daran zu erinnern, dass ich nicht gezwungen bin, etwas zu kaufen. Alle Gründe für minimalistisches Reisen, die ich in einem anderen Beitrag bereits genannt hatte, treffen auf gebrauchte Dinge genauso zu. Inzwischen habe ich diese Besitz-Lust weitestgehend überwunden. Ich schaue mir schöne Teile gerne an, hänge sie aber genauso gerne wieder zurück an die Kleiderstange, wenn ich sie nicht brauche.

Das nimmt bei mir total den Druck raus und ich kann ganz entspannt durch die Gänge schlendern. Und obwohl ich nicht jedes Mal etwas kaufe, habe ich in meinem Schrank bisher jeden Tag etwas zum Anziehen gefunden!

Nur bestimmte Farben suchen

Gerade bei Kleidung hilft es mir total, wenn ich mir im Vorfeld überlege, nach welchen Farben ich suche. Vor allem in großen Geschäften mit entsprechend großer Auswahl fällt es mir viel leichter, wenn ich die Kleiderstangen nach bestimmten Farbtönen scannen kann.

Einen Blick aufs Material werfen

Ich liebe Naturmaterialien und möchte in meinem Kleiderschrank nichts anderes haben. Da unterscheide ich auch nicht zwischen neu oder Second Hand gekaufter Kleidung, denn bei jeder Wäsche werden kleine Fasern aus der Kleidung ausgewaschen. Handelt es sich dabei um Kunstfasern, landen diese Fasern als Mikroplastik in der Umwelt. Greenpeace hat ein Factsheet dazu veröffentlicht, das das Thema sehr gut zusammenfasst. Meine alte Kleidung aus Kunstfasern habe ich deswegen aber nicht komplett weggeschmissen. Aber ich wasche sie seltener und lüfte sie dafür häufiger.

In Second Hand Läden kann ich den Großteil des Angebots alleine schon durchs Anfassen der Kleidung ausschließen. Kunstfasern fühlen sich meistens einfach nicht gut an! Zusätzlich werfe ich immer einen Blick aufs Etikett, um sicherzugehen, dass auch nicht ein kleiner Teil an Kunstfasern eingearbeitet wurde.

Qualität und Zustand prüfen

Second Hand Kleidung ist getragen und das ist auch gut so. Und gerade deshalb lege ich wert darauf, dass die Qualität passt. Nicht nur das Material, sondern auch der Zustand und die Verarbeitung sollten so gut sein, dass das Teil möglichst lange hält. Kleine Löcher an unauffälligen Stellen kann ich eventuell noch flicken, aber eigentlich lasse ich Teile mit Löchern lieber liegen. Und wenn das Material schon dünn wird oder Pilling hat, kann ich davon ausgehen, dass das nach jeder Wäsche nur noch schlimmer wird.

In einem schwedischen Loppis hatte ich mal eine Jeans von einer teuren Marke sehr günstig ergattert, die wie neu aussah. Allerdings hatten sich dann bereits nach wenigen Tagen die Gürtelschlaufen gelöst und kurze Zeit später hatte ich auch ein großes Loch im Knie. Ich habe mehrere Erfahrungen gemacht, die mir bestätigen, dass Marken oder ein hoher Neupreis absolut kein Indiz für gute Qualität sind.

Anpassen und Reparieren

Wenn nur ein Knopf fehlt oder die Naht an einer Stelle aufgegangen ist, ist das für mich nicht unbedingt ein Zeichen für schlechte Qualität. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich kleine Näh-Skills beizubringen! Es ist nämlich absolut nicht schwer, Knöpfe anzunähen oder Nähte zu reparieren. Auch einen Reißverschluss auszutauschen ist kein Hexenwerk. Und wenn etwas nicht richtig sitzt, dann hilft mir meine Mutter auch gerne mal dabei, ein Shirt einzunähen oder eine Hose zu kürzen. Und wenn ich sie nicht hätte, würde ich ein Teil auch gerne mal zu einer Änderungsschneiderei bringen.

Bewusstes Second Hand Shopping

Second Hand wird immer beliebter. Einerseits ist es schön zu sehen, dass Second Hand „tragbar“ wurde und so viele Leute ihre gebrauchte Kleidung weitergeben. Aber ich sehe auch, dass in Second Hand Läden immer mehr Fast Fashion landet. Der Weiterverkauf von so billig hergestellten Klamotten ist super schwierig, weil die Qualität es einfach nicht hergibt, dass die Teile öfter getragen werden können. Ich befürchte, dass das Interesse an Second Hand Kleidung dazu führen kann, dass neue Kleidung noch unbedachter eingekauft wird, denn „ich kann es ja weiterverkaufen“.

Aus diesem Grund stehe ich zum Beispiel Kleiderkreisel inzwischen ziemlich kritisch gegenüber. Ich liebe das Konzept, aber einige der Kleidungsstücke dort werden viel zu teuer und teilweise sogar nahezu zum Neupreis weiterverkauft. Das trifft vor allem auf Kleidung von gefragten Labels zu, die leider weit weg von guter Qualität und fairer Produktion sind. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mit meinem Einkauf dort die Modeindustrie indirekt unterstütze.

Ich wünsche mir, dass Kleidung bewusster konsumiert, sorgfältiger gepflegt und vor allem länger getragen wird. Nicht nur der Umwelt zuliebe und um Respekt gegenüber der Näherinnen und allen anderen an der Herstellung beteiligten Personen zu erweisen. Sondern auch, um sich selbst den Stress des Einkaufs und der ewigen Sorge, nichts Passendes anzuziehen zu haben, zu ersparen.