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Ein Jahr ohne Festanstellung: Fünf unerwartete Einnahmequellen auf Reisen

Das Jahr 2020 war mein erstes Kalenderjahr seit acht Jahren, in dem ich bei keinem Unternehmen angestellt war. Heute bin ich weder hoch verschuldet noch musste ich mein Sparschwein schlachten. Das feiere ich als einen ziemlich großen Erfolg auf meinem Weg in Richtung Freiheit!

Jeder, der für eine längere Zeit reisen möchte, sollte ungefähr wissen, wie er diese Reise finanzieren kann. Sei es durch Sparen vor der Reise oder Arbeiten von unterwegs. Ich wollte für die Reise eigentlich mein Erspartes nutzen. Aber tatsächlich habe ich dieses nach zwei Jahren Reisen immer noch nicht anrühren müssen, weil sich seit der Reise so viele andere, unerwartete Einnahmequellen ergeben haben.

Ein Blick auf meine Einnahmen ist irgendwie ein schönes Beispiel, was eine Reise oder ein Lebenswandel bewirken kann. Wenn man sich für eine Veränderung entscheidet, begegnet man vielen neuen Herausforderungen – aber eben auch vielen neuen, unbekannten Möglichkeiten. Wir tendieren dazu, die Herausforderungen und Probleme exakt vorhersagen zu können, auch diese, die nicht eintreten werden. Die neuen Chancen vergessen wir bei unseren Planungen gerne mal.

Aus diesem Grund habe ich dir hier mal meine unerwarteten Einnahmen aus den letzten zwei Jahren zusammengefasst. Sie ermöglichen mir, für eine zwar begrenzte, aber ziemlich lange Zeit frei und unabhängig reisen zu können. Ich kann mir viel Zeit lassen, um mir zu überlegen, wie und womit ich in Zukunft Geld verdienen möchte.

Meine Ausgangssituation

Ich würde sagen, dass mein Leben vor der Reise so ziemlich durchschnittlich war. Ich wohnte mit Fabi in einer Mietswohnung und hatte einen Vollzeitjob. Dass ausgerechnet diese beiden Langweiler-Fakten sich als optimale Voraussetzungen für unerwartete Einkünfte unterwegs herausstellen würden, das hätte ich nicht gedacht.

Besitz in Geld umwandeln

Als wir entschieden hatten, diese Reise zu machen, stand sofort fest: Alles muss weg. Dass wir unsere Möbel und anderen Kram nicht einlagern wollten, hatte mehrere Gründe. Das Hauptargument war, dass wir so wenig Verpflichtungen wie möglich in Deutschland haben wollten, um uns zu 100 Prozent auf die Reise einlassen zu können. Aber ein netter Nebeneffekt der Wohnungsauflösung war definitiv, dass sie unsere Reisekasse ordentlich füllte.

Wir haben mit unserer Wohnungsauflösung ungefähr 15.000 € eingenommen. Das ist mehr Geld, als wir in unserem gesamten ersten Reisejahr ausgegeben haben! Verrückt, oder?

Unsere Strategie bestand darin, möglichst früh mit dem Verkaufen anzufangen, um keinen Preisdruck zu haben. Lieber die Sachen fünf Mal für einen hohen Preis bei eBay Kleinanzeigen neu einstellen, als am Ende das Teil für ein Fünftel seines Werts verkaufen zu müssen. Da in unserer Wohnung einige Schätzchen aus den 60er und 70er Jahren schlummerten, wir uns viel Mühe beim Fotografieren gaben und mit einer Engelsgeduld jede Anfrage beantworteten, war das Interesse an unseren Inseraten ziemlich hoch.

Das bedeutete natürlich auch, dass wir mehrere Wochen in einer fast leeren Wohnung lebten. Unsere Klamotten befanden sich in Kisten, weil die Kommode bereits verkauft war. Wir aßen auf dem Sofa, weil es keinen Esstisch mehr gab. Das war es uns aber absolut wert und außerdem eine gute Vorbereitung auf unser Camper-Leben!

Das Ersparte schieben wir monatlich portionsweise auf unser Reisekonto, von dem wir seit zwei Jahren alles bezahlen. Dadurch funktioniert es für uns wie ein festes Gehalt. Wir wissen, wie hoch unser monatliches Budget ist und alles, was wir nicht ausgeben, sparen wir für höhere Einmalkosten.

Kautionsrückzahlung

Bei einer Wohnungsauflösung verdienst du nicht nur an den Möbelverkäufen, sondern kommst auch endlich an das Kautionsgeld ran. Dieses Geld sieht man ja normalerweise ab dem Einzug in die erste eigene Wohnung nicht mehr. Stattdessen muss man eher bei jedem Umzug noch was drauflegen. Das Geld gehört zwar eigentlich uns – aber es ist ständig bei jemandem anders.

Dank des Wohnmobils befinden wir uns jetzt endlich im Club der kautions-befreiten Immobilienbesitzer. Nur dass unsere Immobilie mobil ist. Wir können das Geld so nutzen, wie wir es für richtig halten: Als Notgroschen halten, anlegen oder ausgeben 🙂

Steuerrückzahlung

So wie die Wohnung gehen musste, musste auch der Job gehen. Alleine schon die Kündigung mit dem Grund „Ich gehe reisen“ war ein tolles Gefühl. Noch besser fühlte sich aber die Steuerrückzahlung an, die ich ein Jahr später erhielt.

Wenn du zur Mitte eines Jahres kündigst, fällt diese nämlich besonders hoch aus. Warum? Weil sich dein Steuersatz anhand deines voraussichtlichen Jahreseinkommen berechnet. Wenn du also zum 30.06. deinen Job kündigst, dann ist dein Jahreseinkommen nur halb so hoch wie erwartet. Du hast also in den ersten sechs Monaten viel zu hohe Steuern gezahlt. Ich kenne mich mit Steuern nicht wirklich aus, aber die Rechnung ist nicht schwer. Ich erkläre es dir anhand eines kleinen Beispiel:

Beispiel

Wenn du 36.000 € brutto verdienst (das ist das ungefähre Median-Einkommen in Deutschland), dann zahlst du mit der Steuerklasse 1 ca. 5.500 € Steuern im Jahr. Das sind jeden Monat um die 460 €.

Wenn du zum 30.06. kündigst, dann beträgt dein Jahreseinkommen statt der erwarteten 36.000 € nur 18.000 €. Bei diesem Jahresgehalt entspricht das nur 850 € Steuern, also ca. 70 € pro Monat. Dir wurden in den ersten sechs Monaten entsprechend zu viel Steuern abgezogen.

In den ersten sechs Monaten hast du 2.760 € (460 € x 6 Monate) vorausgezahlt. Du hättest aber nur 420 € (70 € x 6 Monate) zahlen müssen. Die Differenz von 2.340 € wird dir nach der Steuererklärung erstattet. Damit könnte man schon ganz anständig reisen, oder?

* Die Zahlen habe ich mit dem Brutto-Netto-Rechner berechnet und dienen natürlich nur als grobe Orientierung.

Passives Einkommen durch Geldanlagen

Während meiner Festanstellung war ich so beschäftigt mit Geld-Verdienen, dass ich gar keine Zeit hatte, mich um mein Geld zu kümmern. Ich hatte keinen Überblick über mein Vermögen, viele unbewusste und unnötige Ausgaben und mein Erspartes versauerte auf dem Tagesgeldkonto.

Seitdem wir reisen, nehme ich mir die Zeit, um mich intensiver mit meinem Geld zu beschäftigen. Ich führe Buch über meine Einnahmen und Ausgaben, habe einen Finanzplan erstellt und lese Bücher über Geld. Inzwischen weiß ich, was Aktien sind, was der Zinseszinseffekt ist und dass Geld für einen arbeiten kann.

Ohne dieses Wissen hätte ich mich nie ans Investieren rangetraut – und rate es auch niemandem. Indem ich mich viel mit diesen Themen beschäftige, kann ich mein Geld inzwischen mit gutem Gewissen investieren und bekommen regelmäßig ein paar Euro Dividenden.

Selbstständig arbeiten von unterwegs

Sehr lange war ich davon überzeugt, dass ich absolut nicht der Typ für eine Selbstständigkeit bin. Für mich war es dementsprechend keine Option, von unterwegs zu arbeiten – obwohl Fabi sich für diesen Weg entschieden hatte. Er war es auch, der mich dann so ein bisschen auf die Freelancer-Schiene schubste. Ich habe zu Beginn unserer Reise immer wieder mal ein kleines Projekt von ihm übernommen. Diese kleinen Projekte haben meine Berührungsängste mit dem selbstständigen Arbeiten gebrochen und ich habe sogar bald darauf ein paar eigene Kunden gewonnen. Mehr über meine Arbeit als Webdesignerin erfährst du auf meiner Website.

Immer wieder mal gehöre ich also auch zu denen, die die Solarpanels nach der Sonne ausrichten und den Internetempfang checken müssen, um dann ganz lässig auf dem Strandparkplatz zu arbeiten. Und ja: Dadurch, dass ich es ganz entspannt machen kann und absolut keinen Druck habe, Kunden gewinnen oder Deadlines einhalten zu müssen, ist es ziemlich lässig.

Unterschiedliche Einnahmequellen unterwegs

Vielleicht befindest du dich in der gleichen Situation wie ich, vielleicht in einer ganz anderen. Fest steht, dass deine Einnahmen auf Reisen anders sein werden als meine. Vielleicht werden sie genau so sein, wie du es erwartest, vielleicht aber auch ganz anders.

Das heißt natürlich nicht, dass du jetzt guten Gewissens einfach alles hinschmeißen und losfahren sollst. Was ich mit diesem Beitrag aber erreichen wollte, ist zu zeigen, dass Geld im Fluss ist. Ich hatte in den letzten Jahren nicht nur unerwartete Einnahmen, sondern auch unerwartete Ausgaben. Geld kommt und geht und es können sich jederzeit unerwartete Möglichkeiten bieten, die wir nur ergreifen müssen.

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