Zwei Spülbürsten hängen vor einer gefliesten Wand

Zero Waste Camperküche während der Reise

Nachdem wir vor der Abfahrt bereits die wichtigsten Reisevorbereitungen getroffen haben, fällt es uns unterwegs leichter, wenig Müll in unserer Küche anfallen zu lassen. Der meiste Müll in der Küche entsteht bei uns definitiv bei Lebensmittel-Verpackungen. Vor der Abfahrt haben wir nochmal einen Großeinkauf beim Ludwigsburger Unverpackt-Laden ohne plapla gemacht, aber zu viele Vorräte konnten und wollten wir auch nicht einpacken. Unterwegs haben sich aber ziemlich schnell Wege aufgetan, wie wir auch während unserer Reise auf Low Waste setzen können.

Unverpackte Lebensmittel einkaufen

Zero Waste Camper: Buntes Obst und Gemüse, teilweise in Stoffbeuteln gelagert
Markteinkauf in Loulé

Viele Lebensmittel können wir ohne Verpackung kaufen. Auf dem Markt oder im Unverpackt-Laden ist das überhaupt kein Problem, aber wir finden auch immer wieder neue Möglichkeiten, wo wir verpackungsfrei einkaufen können. In einem separaten Artikel haben wir beschrieben, wie wir in der Algarve unverpackt und biologisch einkaufen können.

Lebensmittel nicht schlecht werden lassen

Lebensmittellagerung empfinden wir während der Reise als besondere Herausforderung. Dadurch, dass jeder Tag anders ist und wir kaum wissen, was wir am nächsten Tag erleben werden, funktioniert ein Essensplan, wie wir ihn zu Hause geführt hatten, nicht immer. Es gibt Tage, an denen frühstücken wir erst mittags, essen schon um 16 Uhr zu Abend oder gehen auswärts essen. Einen wirklichen Rhythmus gibt es nicht und das ist auch gut so. Für den Einkauf heißt das aber: weniger einkaufen, mehr planen.

Lagerung ohne Kühlschrank

Zero Waste Küche: Ein geöffneter Kühlschrank voll gefüllt mit buntem Gemüse.
Da der Kühlschrank so klein ist, passt sowieso nur Essen für 2-3 Tage rein. Für diese Zeit ist das meiste auch ungekühlt haltbar.

In unserem Wohnmobil ist noch der Original-Kühlschrank verbaut. Er funktioniert mit Gas oder Strom, was super ist, aber leider hat er auch zwei Nachteile: Erstens benötigt er sehr viel Energie, um zu kühlen, und zweitens funktioniert die Technik nicht zuverlässig: an manchen Tagen will er einfach nicht kühlen. Aus diesen Gründen haben wir unseren Kühlschrank, vor allem im Winter, die meiste Zeit ausgeschaltet. Das spart Energie und Kosten, heißt aber auch: Lebensmittel werden schneller schlecht. Meistens haben wir keine Lebensmittel, die unbedingt gekühlt werden müssen, aber auch Obst und Gemüse ist ungekühlt deutlich weniger lange haltbar. Das gilt auch für zubereitete Gerichte. Wenn wir zu viel für eine Mahlzeit gekocht haben, essen wir es – auch ungekühlt – ohne große Bedenken noch am nächsten Tag.

Die Versuchung unterwegs

Durch den begrenzten Platz haben wir noch eine weitere Herausforderung festgestellt: In fremden Kulturen unterwegs zu sein, verleitet dazu, alles Unbekannte probieren zu wollen. Dadurch sammelt sich schnell eine stattliche Menge an Vorräten an, über die schnell der Überblick verloren werden kann. Deswegen versuchen wir, unsere Vorräte regelmäßig durchzugehen und ältere Lebensmittel weiter nach vorne zu stellen, damit wir daran denken, sie bald aufzubrauchen.

Biomüll

Zero Waste Küche: Eine weiße Blechdose steht auf einer Küchenarbeitsplatte. Darin befinden sich Küchenabfälle.
Wohin mit dem Biomüll? Wir sammeln ihn immer separat und schauen dann, wo wir ihn entsorgen können.

Auch wenn wir so gut wie nie Lebensmittel wegschmeißen müssen, entsteht Biomüll. Wir essen ziemlich viel Obst und Gemüse und haben entsprechend viel Abfall durch Schalen, Strünke und Kerne. Diese möchten wir natürlich der Erde zurückgeben, was unterwegs gar nicht so leicht ist. Ganz selten haben wir in Portugal schon öffentliche Tonnen speziell für organische Abfälle gefunden, das ist aber die Seltenheit.

Wenn wir uns in einem Wald aufhalten, vergraben wir unsere Abfälle dort und hoffen, dass die Mikroorganismen damit fertig werden. Wir haben aber auch schon gesehen, dass vergrabene Abfälle von Tieren wieder ausgegraben und gefressen wurden. Deshalb sind wir uns nicht sicher, wie gut diese Lösung wirklich ist.

Ansonsten bleibt uns nichts anderes übrig, als organische Abfälle in der Restmülltonne zu entsorgen. Soweit wir wissen, ist das in Portugal leider auch der offizielle Weg für alle Bewohner, um Biomüll zu entsorgen, sofern sie keinen eigenen Kompost haben. Eine Biotonne wie wir sie aus Deutschland haben wir hier noch nicht gesehen.

Teilweise können wir organische Abfälle auch reduzieren oder zumindest weiterverwenden, indem wir zum Beispiel die Schale mitessen, die Schalen von Zitrusfrüchten zur Herstellung von Allzweck-Reiniger verwenden oder den getrockneten Kaffeesatz als Geruchsneutralisierer in der Trockentrenntoilette verwenden. Wie wir mit nur fünf Zutaten unser ganzes Wohnmobil blitzblank putzen, erzählen wir in unserem Artikel über Camper putzen mit ökologischen Hausmitteln.

Müllfreie Getränke

Zero Waste Küche: Zwei große Glasflaschen werden an einer Wasserquelle aufgefüllt
Trinkwasserquelle in Monchique

Nichts geht ohne Trinkwasser, deshalb werden wir diesem Thema einen eigenen Artikel widmen. Wir haben in unseren bisher bereisten Ländern noch kein Leitungswasser gefunden, das wir nicht vertragen haben. Wasser in Plastikflaschen verpackt zu kaufen kommt für uns demzufolge nicht infrage. Vor allem in Ländern, in denen es kein Wasser aus Glasflaschen und auch keine Mehrwegflaschen gibt, würde alleine durch Trinkwasser ein riesiger Müllberg entstehen. Wir füllen unsere Trinkflaschen an den Versorgungsstationen oder sonstigen Wasserhähnen auf. Und wenn wir eine Trinkwasserquelle finden, freuen wir uns natürlich besonders.

Abgefülltes Mineralwasser hat allerdings den Vorteil, dass es im Gegensatz zu unserem Leitungswasser keimfrei abgefüllt wird. Damit ist es nahezu unendlich lange haltbar. Deshalb haben wir immer eine Flasche Mineralwasser „für den Notfall“ dabei, falls uns mal das Leitungswasser ausgehen sollte. Gebraucht haben wir sie aber noch nie.

Kaffee und Tee unverpackt zu kaufen ist leider nicht immer möglich. Wir kaufen in Unverpackt-Läden immer große Mengen davon und gehen sparsam damit um. Dafür ist es umso einfacher, bei der Zubereitung von Kaffee und Tee auf Müll zu verzichten. Ein wiederverwendbares Teesieb oder das gute alte Teeei findet in jedem Wohnmobil noch ein Plätzchen und auch ein Bialetti-Espressokocher oder eine Frenchpress nehmen nicht viel Platz weg.

Zero Waste Küche: Ein Bügelglas gefüllt mit einer weißlichen Flüssigkeit und einer Zitronenscheibe.
Kefirkristalle bilden mit Hilfe von Trockenfrüchten und Zucker Kohlensäure

Einen dauerhaften Platz in unserem Wohnmobil hat außerdem eine Wasserkefir-Kultur. Dank des Gärprozesses versorgen uns die kleinen Kristalle alle paar Tage mit prickelnder Limonade. Wir waren uns nicht sicher, ob das unterwegs funktioniert, aber der Aufwand und Platzbedarf sind so gering, dass es überhaupt kein Problem ist.

Zero Waste Abwasch

Was in den meisten Haushalten die Spülmaschine nebenbei erledigt, fordert im Camper unsere Disziplin heraus und stellt außerdem so manches Mal unsere Beziehung auf die Probe. Sich kurz eine Kleinigkeit zu essen zubereiten oder spontan losfahren ist nicht drin, wenn alle Teller schmutzig sind oder sich in der Küche die Tassen stapeln. Wir versuchen, direkt nach jeder Mahlzeit abzuspülen, denn wenn wir hungrig oder in Eile sind, macht der Abwasch definitiv keinen Spaß. Manchmal wechseln wir uns ab, manchmal machen wir es gemeinsam. Fest steht aber, dass wir uns immer genügend Zeit dafür nehmen und uns nicht stressen lassen.

Spülbürsten und -schwämme

Damit kein Mikroplastik und Chemikalien ins Abwasser gelangen, reicht es nicht, ein biologisch abbaubares Spülmittel zu verwenden, denn Mikroplastik beim Abwasch entsteht vor allem durch Spülschwämme. Bestimmt hat jeder schon mal gesehen, wie die gelben Schwammtücher nach mehrmaliger Verwendung anfangen zu bröseln – diese Teilchen gehören natürlich nicht ins Wasser. Utopia hat einige interessante Artikel zum Thema Mikroplastik veröffentlicht!

Wir haben ein paar Baumwolllappen, eine Spülbürste aus Holz und Naturborsten und einen Kratzschwamm. Diese Produkte halten ewig und schonen dadurch auch unsere Reisekasse. Außerdem haben wir Spüllappen und Geschirrtücher teilweise aus Stoffresten selbst genäht. Zum Abspülen eignen sich auch Frottee-Tücher hervorragend, die man ganz einfach aus einem ausgedienten Handtuch zurechtschneiden kann.

 Zwei Spülbürsten hängen vor einer gefliesten Wand
Diese Bürsten halten sehr lange. Der Kopf der runden Bürste ist austauschbar und zu 100 % aus Naturmaterialien.

Ökologisches Spülmittel

Ökologisches Spülmittel gibt es auch im Ausland, aber wir nehmen uns gerne immer einen kleinen Vorrat mit, wenn wir in Deutschland sind, weil wir hier wissen, wo wir es unverpackt oder in großen Behältern bekommen. Im Ausland haben wir es aber auch schon in Bio- oder Unverpackt-Läden kaufen können. Um das Spülmittel möglichst sparsam zu verwenden, haben wir es in einen kleinen Pumpspender umgefüllt. Ein Klecks reicht meistens aus, auch wenn man wie wir die meiste Zeit mit kaltem Wasser abspült. Manchmal verzichten wir auch komplett auf Spülmittel, zum Beispiel, wenn auf einem Teller nur eine Scheibe Brot lag.

Im Internet finden sich ganz viele Rezepte, wie man Spülmittel aus Seife und Natron selber machen kann. Wir hatten das zu Hause mal ausprobiert, aber waren mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden und vermuten, dass es mit kaltem Wasser noch schlechter funktioniert. Aber vielleicht werden wir es in Zukunft nochmal mit einer anderen Seife testen.

Reinigungsmittel selber machen

Neben Spülmittel lassen sich natürlich auch alle anderen Reinigungsmittel, die wir in der Küche benötigen, selbst herstellen. Die gute Nachricht: Putzmittel aus ein paar ökologischen Zutaten selber zu machen ist nicht nur nachhaltiger, es ist auch unfassbar günstig und benötigt viel weniger Platz, als wenn wir stattdessen unzählige bunte Plastikflaschen sammeln würden.

Unsere Grundausstattung besteht aus Essigessenz, Zitronensäure, Waschsoda, Natron und Kernseife. Damit haben wir bisher alles sauber bekommen.

Recycling als Kompromiss

In Portugal gibt es an jeder Ecke diese Recyclingstationen

Respekt vor jedem, der es schafft, Müll unterwegs komplett zu vermeiden. Uns gelingt das leider nicht. Spätestens wenn wir im Supermarkt stehen und die Wahl haben zwischen einer unverpackten konventionell angebauten Gurke und einer verpackten Bio-Gurke, entscheiden wir uns natürlich für letztere. Wir verfolgen auch nicht das Ziel, überhaupt keinen Müll zu produzieren. Aber wir möchten uns der Problematik bewusst sein und andere darauf aufmerksam machen, dass es oft gar nicht so schwer ist, Müll zu vermeiden.

Verpackungsmüll ist ein wichtiger Rohstoff, hinter dem ein ganzer Wirtschaftszweig steckt, der sich Recycling nennt. Es ist nur schwer nachzuvollziehen, wie viel von dem, was wir ordentlich getrennt in den gelben Sack oder den Glascontainer werfen, wirklich recycelt werden kann und wird. Aber fest steht, dass die Wahrscheinlichkeit deutlich größer ist, als wenn wir die Verpackungen direkt in den Restmüll werfen.

In allen Ländern, die wir bisher bereit haben, stehen an jeder Ecke öffentliche Recyclingstationen bereit. Es gibt also wirklich keinen Grund, nicht zu recyceln. Nur in Deutschland ist es etwas mühseliger, den nächsten Recycling-Hof anzufahren und dann auch noch die Öffnungszeiten berücksichtigen zu müssen.

Es braucht übrigens nicht viel Platz, um Müll trennen zu können: Auch wir haben in unserem Camper keinen Platz für separate, hübsch beschriftete Behälter für die unterschiedlichen Materialien. Es funktioniert aber tatsächlich auch, alles in einem Eimer zu sammeln und erst an der nächsten Recyclingstation zu trennen.

Wie gehst du unterwegs mit Müll um? Fällt bei dir tendenziell mehr oder weniger an? Schreibe mir gerne auf Instagram, ich freue mich immer über den Austausch und über Tipps!

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