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Die gesunde Bio-Limonade für unterwegs: Wie du deinen eigenen Wasserkefir herstellst

In Portugal ist der Sommer schon längst da, aber auch in Deutschland wird die Hitze nicht mehr lange auf sich warten lassen. Was gibt es Schöneres, als die heißen Tage mit einem leckeren, eiskalten Getränk am nächsten See zu verbringen? Da wir in unserem Camper allerdings keinen Platz für eine oder gar mehrere Getränkekisten haben, machen wir unsere Limonade einfach selbst: Aus Wasserkefir. Diese ist nicht nur lecker, sondern auch gesund und ganz einfach herzustellen. Perfekt für unterwegs!

Seit einem dreiviertel Jahr besitzen wir eine Wasserkefirkultur in unserem Camper. Kefir? Das verband ich irgendwie mit sauer gewordener Milch. In diesem Artikel erfährst du, wieso Wasserkefir damit absolut nichts zu tun hat und wieso du dir überlegen solltest, ob du in deinem Camper nicht auch eine solche Kultur haben möchtest.

Was ist Wasserkefir?

Unsere erste Berührung mit Wasserkefir hatten wir bei Fabis Eltern: Beim Abendessen stand auf dem Tisch eine hübsche Glaskaraffe, darin eine prickelnde rötliche Flüssigkeit, in der ein paar dekorative Beeren schwammen. Die selbstgemachte Limonade schmeckte frisch, eiskalt und wahnsinnig lecker. Ich erfuhr, dass diese Wasserkefir-Limonade durch Fermentation entsteht und deshalb nicht nur lecker, sondern auch gesund ist. Für mich ist sie seitdem das perfekte Getränk, nicht nur im Sommer.

Aussehen und Bestandteile

Wasserkefir sind kleine weiße Kristalle, deren Konsistenz etwas glibberig ist und die zu kleinen Knollen zusammenwachsen. Sie bestehen auf Bakterien und Hefen. Die Kefirkristalle wurden in Mexiko auf einer bestimmten Kaktussorte entdeckt, deren zuckerhaltiges Tauwasser den Kefir nährt. Bis auf den Namen hat Wasserkefir keine Gemeinsamkeit mit Milchkefir. Dass du von Wasserkefir noch nichts gehört hast, kann daran liegen, dass dieser nicht im Supermarkt gekauft werden kann. Wegen der aktiven Fermentation ist er nämlich nicht lagerbar.

Wasserkefir Kristalle sind weiß und glipbbrig

Gesundheitliche Effekte

Wasserkefir ist probiotisch und reich an Ballaststoffen. Ihm werden einige heilende Wirkungen nachgesagt, die Forschungslage ist allerdings noch recht dünn. Er enthält auch einige B-Vitamine, darunter auch Vitamin B12, was vor allem für Veganer interessant sein kann. Wie hoch der B12-Gehalt in Wasserkefir-Limonade ist und ob er ausreicht, um den Bedarf vollständig zu decken, konnte ich leider nicht herausfinden.

Warum Wasserkefir für unterwegs besonders praktisch ist

Wasserkefir ist nicht nur gesund, sondern hat vor allem den Vorteil, dass er ganz leicht selbst hergestellt werden kann. Für mich ist er das perfekte Getränk auf Reisen, da er nur minimalen Platz benötigt und ich trotzdem alle paar Tage eine leckere Limonade habe.

Der Wasserkefir ist außerdem sehr pflegeleicht. Für den neuen Limonaden-Ansatz benötigt man ungefähr 5 Minuten Zeit: Kefir abfüllen, Kristalle auswaschen, neue Zutaten ins Glas geben. Mehr ist es nicht. Man darf es nur nicht zu lange hinauszögern, sonst wird die Limonade zu sauer. Der Ansatz muss während des Gärprozesses außerdem nicht gekühlt werden, was Platz im Kühlschrank spart.

Wenn du die Wasserkefir-Produktion mal pausieren möchtest, kannst du ihn einfach kühl stellen oder sogar einfrieren. Da wir weder eine Gefriertruhe noch einen funktionierenden Kühlschrank haben, habe ich damit allerdings keine Erfahrungen.

Was du für die Herstellung deines Wasserkefirs benötigst

Möchtest du auch einen Wasserkefir haben? Bevor ich erkläre, wie er hergestellt wird, liste ich die Zutaten auf, die dafür benötigt werden, und was dabei beachtet werden sollte.

Wasserkefir Limonade Zutaten: Kristalle, Trockenobst, Zucker und Zitronen

Das passende Gefäß

Wenn du ebenfalls deinen eigenen Wasserkefir herstellen möchtest, benötigst du zuerst einmal ein passendes Gärgefäß. Dabei solltest du folgende Punkte beachten:

  • Material: Am besten eignet sich Glas. Wichtig ist, dass das Gefäß nicht aus Metall besteht und der Inhalt auch nicht mit Metallteilen in Berührung kommt.
  • Volumen: Die Größe des Gefäßes ist davon abhängig, wie viel Wasserkefir du herstellen möchtest. Für Einzelpersonen reichen wahrscheinlich 500 ml bis zu 1 l aus, da ja alle 2 – 3 Tage schon die nächste Ansatz fertig ist. Unser Gefäß fasst einen knappen Liter.
  • Abdeckung: Die Fermentation benötigt Sauerstoff. Deshalb wird empfohlen, das Gefäß nur mit einem Stoff abzudecken, um den Wasserkefir vor Insekten zu schützen. Da eine Stoffabdeckung während der Fahrt aber nicht vorm Überschwappen schützt, ist das für uns keine Lösung. Wir bewahren unseren Wasserkefir in einem Bügelglas auf, dessen Deckel an einer Stelle nicht ganz dicht ist. Das scheint an Sauerstoff auszureichen. Alternativ könnte man das Glas auch nur während der Fahrt fest verschließen, das sollte man dann vor der Abfahrt nur nicht vergessen.

Wasserkefirkultur

Wenn du ein passendes Gefäß gefunden hast, kannst du dir eine Wasserkefirkultur besorgen. Am besten wäre es natürlich, wenn du jemanden kennst, der selbst einen Wasserkefir hat. Dadurch, dass die Kristalle sich bei jedem Durchgang vermehren, eignet sich Wasserkefir perfekt, um ihn mit anderen zu teilen. Wenn du niemanden direkt kennst, findest du vielleicht in einer Nachbarschaftsgruppe, bei eBay Kleinanzeigen oder über Facebook jemanden, über den du an die Kristalle kommst. Wenn du in deiner Nachbarschaft nicht fündig werden solltest, kannst du die Wasserkefir-Kristalle auch online bestellen. Wie bei allen Lebensmitteln solltest du dich auch hier fragen, woher sie kommen und ob es sich um Bio-Lebensmittel handelt.

Wasser oder Tee

Die Qualität des Wassers spielt eine größere Rolle, als wir dachten. Der Wasserkefir benötigt nämlich Mineralien, um zu wachsen. Das heißt, je härter das Wasser, desto besser geht es dem Kefir.

Da wir kein Mineralwasser kaufen, setzen wir unseren Wasserkefir fast ausschließlich mit Leitungswasser an. Bisher haben wir dafür hauptsächlich portugiesisches Leitungswasser benutzt, das bekanntlich sehr chlorhaltig ist. Chlor mag der Kefir leider überhaupt nicht, deswegen sind unsere Kefirknöllchen auch relativ klein und vermehren sich nicht so schnell. Es funktioniert aber trotzdem. Manchmal geben wir etwas Meersalz oder eine Calcium-Tablette mit ins Wasser. Wenn möglich, verwenden wir statt Leitungswasser abgekochtes Quellwasser.

Statt Wasser kann man auch kalten Tee verwenden oder einfach einen Teebeutel mit in das Gefäß hängen. Die fertige Limonade kann dadurch ganz exotische Geschmacksnoten bekommen!

Wasser für den Wasserkefir: Quellwasser kann mehr Mineralien als Leitungswasser enthalten

Zucker

Auch über den Zucker kann der Wasserkefir mit Mineralien versorgt werden. Rohrohrzucker, Kokosblütenzucker oder Melasse enthalten deutlich mehr Mineralien als der übliche Haushaltszucker. Nicht verwendet werden sollten Zuckeralternativen wie Ahornsirup oder Honig. Wir haben mal selbstgepresste Melasse aus Zuckerrohr verwendet und auch diese hat unser Wasserkefir nicht gemocht. Das haben wir daran gemerkt, dass er sich überhaupt nicht mehr vermehrt hat.

Obst: frisch oder getrocknet

Obst wird als Stickstoffquelle für die Wasserkefirkristalle benötigt. Nach dem Grundrezept werden Trockenfrüchte verwendet, da mit diesen der Wasserkefir weniger anfällig für Schimmel ist, als wenn frisches Obst verwendet wird. Hier in Portugal kaufen wir auf den Märkten immer getrocknete Feigen, die wir immer für den Kefir benutzen. Wichtig ist, dass die Trockenfrüchte frei von Schwefel und anderen Antioxidationsmitteln sind. Das meiste Trockenobst, das du abgepackt im Supermarkt findest, ist geschwefelt.

Säure

Zusätzlich geben wir immer noch ein paar Scheiben Zitrone oder Orange in unseren Kefir. Die Säure dient hauptsächlich dem Geschmack, aber sie hilft auch dabei, den Kefir vor Verkeimung zu schützen. Als regionale Alternative kann auch ein Schuss Essig hinzugegeben werden.

Wie du unterwegs deine eigene Wasserkefir-Limonade herstellst

Sobald alle Zutaten bereitstehen, kann mit der Herstellung begonnen werden. Das einfachste Rezept, an das wir uns meistens halten, sieht so aus:

Zutaten

  • 1 Liter lauwarmes Wasser
  • 60 Gramm Zucker
  • 30 g Kefirknollen
  • 30 g getrocknete Feigen
  • 2 Scheiben Zitrone

Zubereitung

  1. Den Zucker im Wasser auflösen
  2. Die anderen Zutaten hinzufügen
  3. Das Gefäß an einen warmen dunklen Ort stellen
Wasserkefir Linmonade Zubereitung mit Feigen und Zitronen

Der Wasserkefir beginnt direkt nach der Zubereitung zu arbeiten und bereits nach einer halben Stunde sieht man in dem Glas kleine Bläschen aufsteigen. Dabei handelt es sich um die Kohlensäure, die während des Fermentationsprozesses entsteht und den Kefir schön prickeln lässt.

Je nach Temperatur ist der Kefir nach 2 – 4 Tagen fertig. Je länger man ihn stehen lässt, desto saurer wird er. Der Zucker zersetzt sich bei der Fermentation nahezu vollständig zu Milchsäure, Kohlensäure und Alkohol. Der Alkoholgehalt des Wasserkefirs kann übrigens bis zu 2 % betragen und manchmal bilde ich mir ein, diesen auch zu spüren.

Wenn wir mit dem Geschmack zufrieden sind, füllen wir den fertigen Wasserkefir durch ein Sieb in ein anderes Glas um und trinken ihn entweder direkt oder stellen ihn noch für einen weiteren Tag in den Kühlschrank. Auch ohne die Kristalle fermentiert der Kefir noch etwas nach.

Anschließen entfernen wir die Trockenfrüchte und die Zitrone und spülen die Kefirkristalle mit kaltem Wasser durch. Die Früchte verwenden wir meistens noch für einen zweiten Durchgang, bevor wir sie dann entsorgen.

Die perfekte Limonade für unterwegs

Wasserkefir ermöglicht es uns, dauerhaft leckere Limonade im Camper zu haben, ohne dass wir dafür Getränkekisten mit uns herumfahren müssen. Die Limonade ist schnell gemacht, unverpackt und je nach Zutaten auch bio.

Möchtest du es gerne mal ausprobieren? Dann besorge dir doch einfach ein paar Kristalle und lege los! Und falls sich unsere Wege mal kreuzen sollten, gebe ich dir natürlich auch gerne etwas von meinen Kristallen ab!

Wasserkefir Limonade

Hast du schon mal von Wasserkefir gehört? Hinterlasse uns gerne einen Kommentar oder schreibe uns eine Nachricht!

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