Unser zweiter Winter mit dem Wohnmobil in Portugal

Zum dritten Mal auf unserer Reise sagen wir Hallo zu Portugal. Portugal war unser erstes Ziel, als wir Anfang 2019 unsere Reise mit dem Wohnmobil starteten. Danach war uns direkt klar, dass wir dort auch den ersten Winter verbringen wollten. Nachdem wir den Winter darauf in Griechenland waren, zog es uns jetzt wieder zurück an den wilden Atlantik. Seit vier Wochen sind wir wieder in unserem Lieblingsland und fühlen uns genauso wohl wie die letzten Male. Aber der Reihe nach:

Wir entdecken Neues und Bekanntes in Portugal

Bereits in Spanien haben wir uns an Orten orientiert, die wir bereits kannten, und das setzen wir in Portugal fort. Wir finden Grenzregionen spannend. Nicht mehr ganz in dem einen Land zu sein, aber auch noch nicht in dem anderen macht sie oft zu einem weitläufigen Niemandsland. Zwischen Spanien und Portugal gibt es viele abgelegene Plätze mitten in karg-romantischer Natur. 

Wir hangeln uns von See zu See und erinnern uns an die Zeit nach dem ersten Lockdown im April 2020, als wir das letzte Mal in der Region rund um den Alqueva-Stausee waren. Damals hatten wir gefühlt das ganze Land für uns alleine, denn die meisten anderen Reisenden waren wegen des Lockdowns nach Hause gereist. Auch dieses Mal wirkte die Region verlassen und nach einer Woche Portugal hatten wir gerade einmal drei andere Wohnmobile gesehen.

Zurück nach Lagos

Langsam erholten wir uns von den vielen Fahrtagen, blieben auch mal eine zweite und dritte Nacht an einem Ort. Wir fanden nach und nach in die portugiesische Gelassenheit zurück. Doch unser eigentliches Ziel verloren wir nicht aus den Augen: Wir wollten nach Lagos, die Stadt, die uns bei jedem Besuch aufs neue wie magisch anzog.

Es tat gut, Bekanntes wiederzusehen. Die felsige Küste, die versteckten Strände, die verwinkelten Gassen, in denen wir uns auch beim x-ten Besuch immer noch verlaufen, die lebhafte Promenade, der Parkplatz am Hafen direkt hinter den Dünen. Doch was sich deutlich verändert hat, sind die ehemaligen Freistehplätze in der Stadt und an den umliegenden Stränden.

Freistehen in Portugal mit dem Wohnmobil

In Portugal gibt es ein neues Gesetz, das erlaubt, dass man das Wohnmobil bis zu 48 Stunden auf öffentlichen Parkplätzen parken und auch darin übernachten darf – sofern dort das Parken nicht generell für Wohnmobile verboten ist. Das macht es einerseits entspannter, weil so das Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei vermieden werden kann. Andererseits hat es aber auch zur Folge, dass in touristischen Gegenden deutlich mehr Wohnmobil-verboten-Schilder aufgestellt wurden.

Verbotsschilder gab es auch bereits vor zwei Jahren. Damals hatten wir den Eindruck, dass es sich dabei eher eine Empfehlung als ein Verbot handelte. Denn vor Einführung des neuen Gesetzes vor ein paar Wochen war das Übernachten im Wohnmobil außerhalb von Camping- und Stellplätzen in Portugal laut Gesetz komplett untersagt. In den meisten Fällen wurde Freistehen geduldet, aber ab und zu hat die Polizei kontrolliert und Strafen kassiert.

Inzwischen sieht man neben Verbotsschildern nur noch vereinzelt Wohnmobile stehen. Es gibt aber in diesem Land noch ausreichend Parkplätze, auf denen Wohnmobile nicht verboten sind und laut neuem Gesetz über Nacht stehen dürfen.

Weniger Fahren, mehr Sein

Wir spürten bereits vor einigen Wochen, dass wir uns nach zweieinhalb Jahren fast durchgehend Freistehen mal wieder etwas mehr Stabilität wünschen. Wer auch schon mal mit dem Wohnmobil oder Van gereist ist, weiß, wie viel Zeit und Energie es kosten kann, sich in ständig wechselnder Umgebung täglich neu zurechtzufinden. Wo kann ich übernachten? Wo finde ich Wasser, wo kann ich einkaufen und wo meine Wäsche waschen? Dinge, die im „normalen“ Alltag nebenbei passieren, können auf Reisen zur tagesfüllenden Aufgabe werden.

Für uns ist an der Zeit, unseren Reisestil zu verändern und an unsere neuen Bedürfnisse anzupassen. Wir sind mittendrin herauszufinden, wie das genau aussehen könnte und probieren verschiedene Optionen aus:

Zu Gast auf einem Grundstück im Hinterland

Über Instagram hat sich ein netter Kontakt mit zwei Deutschen ergeben, die uns eingeladen haben, auf ihrem Grundstück im Hinterland von Lagos zu stehen. Das war unser erster Halt, nachdem wir in der Algarve angekommen sind. Wir genossen es, einen festen Ort zu haben und die Gastfreundschaft von netten Menschen.

Kaufen wir ein Stück Land in Portugal?

Ein Garten voller Obst und Gemüse, mit Platz zum Basteln, Bauen und Gestalten und mittendrin ein kleines Haus auf Rädern. Nichts Großes, kein Riesen Projekt. Einfach nur ein kleiner, privater Ort zum Rückzug und zur Entfaltung, wo wir unser Wohnmobil in Portugal parken können. Diesen Traum teilen wir mit Sandra und Michael, in deren Foodforest wir letztes Jahr den portugiesischen Lockdown verbrachten. Inzwischen leben sie wieder (oder übergangsweise) in Deutschland. Die beiden waren die letzten Wochen zum Arbeiten und Urlaub machen in der Algarve. So ergab es sich, dass wir uns gemeinsam einige interessante Grundstücke angesehen haben. Sich ein Grundstück zu teilen, hat den Vorteil, dass auch Verantwortung und Kosten geteilt werden. Wir alle möchten nicht ganzjährig mit dem Wohnmobil in Portugal sein, unsere Vorstellungen passen gut zusammen und obendrein sind die zwei zu guten Freunden geworden.

Was so einfach klingt, stellte sich leider als schwieriger heraus. Nur weil einem ein Stück Land gehört, heißt das nicht, dass man dort alles machen darf. Bevor wir also etwas kaufen, was wir dann nicht nach unseren Vorstellungen nutzen können, müssen wir uns ausführlich informieren.

Wir schnuppern Camping-Luft in Portugal

Seit drei Tagen stehen wir auf einem kleinen Campingplatz im Naturpark Costa Vicentina. Dass wir mehr als zwei Nächte auf einem Campingplatz stehen, ist absolute Prämiere und wir müssen uns erst zurechtfinden. Wie können wir uns an den Strom anschließen? Wie funktioniert eine Dusche mit Münzeinwurf? Und wieso gibt es auf der Toilette kein Klopapier? Auch daran, dass wir den Urinkanister unserer Trockentrenntoilette zum Entleeren über den gesamten Platz spazieren tragen, müssen wir uns erst gewöhnen.

Zum Glück ist vor ein paar Tagen das Wetter umgeschlagen und es regnet viel. So ersparen wir unserer Camping-Nachbarschaft den Blick auf unser klägliches Outdoor-Camping-Equipment, das aus zwei gefundenen und nicht mehr taufrischen Campingstühlen besteht. Kein Tisch, kein Rollrasen, keine Lichterkette.

Diese Art des Campings ist Neuland für uns, aber wir lernen gerade auch die Vorzüge kennen. Eine heiße Dusche mit ordentlich Wasserdruck, unlimited Strom trotz bewölktem Himmel, daran könnten wir uns gewöhnen!

Wie geht es weiter? Keine Ahnung. Seitdem wir in Portugal sind, hatten wir schon einige nee Ideen und haben auch einige davon wieder verworfen. Nächsten Samstag erwartet uns eine neue Erfahrung, du kannst auf den nächsten Reisebericht gespannt sein! Aktuell sind wir einfach glücklich, in der Algarve zu sein, auf nette Menschen zu treffen und die Vielfalt der Region zu genießen.

Unsere Route im Oktober

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