Eine neue Reise beginnt: Unsere holprige Ankunft in Deutschland

Diese Reisegeschichte ist anders. Es geht ums Ankommen und doch wiederum auch ums Reisen. Weil ich nicht genau weiß, wo ich anfangen soll, lasse ich den Blick aus dem kleinen Fenster schweifen. Hinter dem schiefen Schuppen erstreckt sich ein dichter Mischwald, Vögel singen, der Frühling wird immer lauter. Ich sitze in einem alten Häuschen in einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg. Das Haus ist 40 qm groß, hat eine hübsche Terrasse und ist umringt von Grün. Und es ist unser neues Zuhause.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht ein paar Wochen zurückgehen. Es war Anfang April, genau drei Jahre und drei Tage nach Beginn unserer Reise. Wir fuhren mit dem Wohnmobil zum Strand, wollten ein letztes Mal das Meer sehen, bevor wir über die Pyrenäen nach Frankreich fahren wollten. Zwei Kilometer vor Ankunft sagte Fabi leise: „Ich möchte dir keine Angst machen, aber ich glaube, unsere Kupplung stirbt gerade.“

Unsere dritte Panne in Spanien

Nach bereits vier Kupplungswechseln wissen wir, wie sich eine kaputte Kupplung anfühlt und so retteten wir uns mit letzter Kraft auf einen Supermarkt-Parkplatz und mussten uns eingestehen, dass wir mal wieder liegengeblieben sind. Wer uns schon etwas länger auf Instagram folgt, weiß, dass das nicht das erste Mal ist. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft wir in den letzten drei Jahren eine Panne hatten.

Das gute daran, wenn man ständig liegen bleibt: Wir haben eine gewisse Routine. Es war Samstagnachmittag, also vereinbarten wir mit dem ADAC, dass wir am Montagvormittag abgeschleppt werden würden. Wir checkten unsere Wasser- und Lebensmittelvorräte und wägten dann unsere Optionen ab: Da ein Kupplungswechsel erfahrungsgemäß länger als drei Tage benötigt, gibt der ADAC uns die Option, das Wohnmobil nach Deutschland zu schleppen, um es dort reparieren zu lassen. Sollten wir die Kupplung hier in Spanien oder in Deutschland tauschen lassen? Damit ihr unsere Entscheidung besser nachvollziehen könnt, muss ich wohl nochmal zwei Zeitsprünge machen:

Fünf Tage nach unserem Reisebeginn, im April 2019, ging uns ebenfalls in Spanien die Kupplung kaputt. Wir wurden zu einer Werkstatt in einer farblosen Kleinstadt geschleppt, niemand in der Werkstatt sprach Englisch und die Kommunikation verlief entsprechend schleppend. Nachdem wir vier Tage lang die Zeit absaßen und eine stolze Rechnungssumme zahlen mussten, konnten wir das Wohnmobil abholen – und blieben am selben Tag wieder liegen. Die Kupplung wurde falsch eingebaut, es war ein ewiges, sehr nervenaufreibendes Hin und Her, bis wir dann eine weitere Woche später und ein paar weitere Euros leichter endlich nach Portugal fahren konnten. Soviel zu unseren spanischen Werkstatterfahrungen, die ich natürlich nicht pauschalisieren möchte, uns aber eben ein schlechtes Gefühl gaben.

Es gab noch einen weiteren Aspekt, der in unsere Entscheidung miteinfloss: Bereits seit einer ganzen Weile spürten wir, dass es Zeit für Veränderung ist. Wir lieben unser Wohnmobil und die Möglichkeiten, die es uns gibt. Aber wir merkten auch, dass wir uns ein wenig mehr Beständigkeit und ein wenig mehr Raum wünschten. Bereits Anfang des Jahres stand für uns fest, dass wir gerne den gesamten Sommer in Deutschland verbringen möchten.

Springen wir mit diesen Hintergrundinfos jetzt also zurück auf den spanischen Supermarktparkplatz. Uns fiel die Entscheidung leicht: Der ADAC sollte unser Wohnmobil nach Deutschland schleppen und wir fuhren mit dem Zug voraus.

Eine workaway-Enttäuschung

Innerhalb von zwei Tagen waren wir also ganz plötzlich in Deutschland. Ohne Unterkunft, ohne Fahrzeug, aber mit einem Plan. Wir verbrachten die ersten Tage bei meinen Eltern, um uns grob zu sortieren. Wir kauften das nächstbeste Auto und fanden ein workaway (was genau workaway ist, erfährst du in diesem Beitrag) in der Nähe. Dort wollten wir mithelfen, bis unser Wohnmobil in Deutschland ankommen würde (laut ADAC könnte das bis zu zehn Wochen dauern).

Unsere Gastgeberin war Inhaberin eines veganen Restaurants in idyllischer Lage. Sie benötigte Hilfe im Garten, den sie neu gestalten wollte, und bei den alten Gästezimmern, die sie renovieren und wieder vermieten wollte. Außerdem sollten wir immer wieder mal Besorgungsfahrten erledigen. Das klang perfekt für uns, denn gärtnern, renovieren und Autofahren macht uns Spaß!

Die Realität sah dann leider ganz anders aus. Wir bezogen ein eiskaltes Zimmer mit zerschlissenen Laken und wurden für den Küchendienst eingeteilt. Tätigkeiten in der Küche und Gaststätte wurden zwar im Vorfeld explizit ausgeschlossen, aber es war kurz vor Ostern und entsprechend mehr Betrieb und wir waren einverstanden, zu Beginn eben dort zu unterstützen.

Nach wenigen Tagen stand für uns fest, dass das für uns definitiv keine längerfristige Lösung sein würde. Der Umgangston war rau, die Arbeit hektisch und unser Aufenthalt ganz anders als abgesprochen. Von Gärtnern oder Renovieren war keine Rede mehr. 

Wir hatten am ersten Abend einer Probezeit von zwei Wochen zugestimmt. An diese Vereinbarung wollten wir uns halten, anschließend aber in eine Ferienwohnung umziehen. Am Ostersamstag kam uns unsere Gastgeberin zuvor. Wir wurden in die Küche zitiert und uns wurde schlicht mitgeteilt, dass wir in der Küche keine große Hilfe wären und nicht genügend Spaß bei der Arbeit zeigen würden, deswegen sollen wir bitte gehen, und zwar jetzt sofort.

Etwas überrumpelt standen wir also kurz darauf mit unseren wenigen Sachen auf der Straße. Immerhin hatten wir uns kurz davor das Auto gekauft, sonst wären wir aus dem kleinen Dorf erst nach den Feiertagen wieder weggekommen. Da sich so spontan natürlich keine neue Unterkunft finden ließ, sind wir also wieder zurück zu meinen Eltern und bezogen dankbar das alte Kinderzimmer meiner Schwester.

Unser kleines Ferienhäuschen

Wir sind gerne bei meinen Eltern, aber dort dauerhaft zu wohnen, war natürlich keine Option. Wir suchten also weiter und fanden über eBay Kleinanzeigen dieses kleine Häuschen zur Zwischenmiete. Es ist sehr hübsch, die Miete recht günstig und das Beste daran war, dass wir es bereits eine Woche später beziehen konnten. Und jetzt sitzen wir also plötzlich hier, haben ein Haus, ein Auto und unser Leben fühlt sich plötzlich sehr anders und sehr geregelt an. Und trotzdem haben wir noch immer genau die Freiheit, die wir uns wünschen. Das Häuschen könnten wir bis September mieten, wir könnten aber auch jederzeit ausziehen, die Vermieterin ist da sehr flexibel.

Und was ist jetzt mit dem Wohnmobil?

In der Zwischenzeit ist auch unser Wohnmobil bereits in Deutschland angekommen. Es steht in einer Werkstatt, wo es voraussichtlich nächste Woche repariert wird. Anschließend werden wir es verkaufen – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Was danach kommt, wissen wir noch nicht. Vielleicht bleiben wir in Deutschland, vielleicht kaufen wir wieder einen Camper, mit dem wir in Südeuropa überwintern, vielleicht ergeben sich aber auch ganz neue Möglichkeiten. Weitergehen wird es ganz bestimmt.

2 Kommentare zu „Eine neue Reise beginnt: Unsere holprige Ankunft in Deutschland“

  1. Wahnsinn, was alles passiert ist. Vielleicht ist es einfach richtig so, wie es ist, denn daraus wird sich wieder etwas anderes ergeben, was euch auf eurem Weg weiter führen und begleiten wird. Wenn man drinsteckt, ist es manchmal schwer. Oder scheisse. Trotzdem sind das meistens wichtige Stationen. Wir können nicht beeinflussen, was uns passiert, aber wir können beeinflussen, wie wir damit umgehen! Ich mache gerade irgendwie ähnliche und doch ganz andere Erfahrungen und fühle mich grad sehr angesprochen.
    Ich wünsche euch eine gute Ruhepause, damit ihr wieder auftanken könnt!
    Katja

    1. Vielen Dank für deine lieben Worte, Katja! Wir versuchen es auch so zu sehen 🙂 Das ist zwar anstrengend, aber auch sehr aufregend, da wir versuchen, uns auf alles einzulassen, was uns begegnet. Und wir merken jetzt schon, was für unerwartete Türen das öffnen kann!
      Ich wünsche dir alles Liebe auf deinem Weg,
      Mari

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